Eberhard Admin
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Verfasst am: 09.10.2009, 15:15 Titel: ZDF Reporter Geistheilung 08.10.2009 |
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08.10.2009
Das Geschäft mit der Hoffnung
Geistheiler: Zwischen Skepsis und Hoffnung
von Jessica Buschmann
Bernd Laudenbach ist ein so genannter Geistheiler. Seine
Methode: Er steckt seinen Patienten Zettelchen mit Zeichen unter ihren Ärmel - dadurch soll der Patient sich selber heilen. Wir haben zwei Patienten gebeten, die Methode zu testen.
ZDF.reporter zeigt, wie das Geschäft mit der Hoffnung
funktioniert.
Mit der Gesundheit von Carola Regentrop steht es nicht zum Besten: Ihr Blutdruck ist seit Monaten zu hoch. Medikamente möchte sie jedoch nicht nehmen, obwohl ihr Hausarzt dringend dazu rät. Für die ZDF.reporter macht sie den Test: Was bringt der Besuch beim Geistheiler? Carola Regentrop steht dem Versuch positiv gegenüber, könnte sich durchaus vorstellen, dass ihre Beschwerden gelindert werden.
Auch Günter Leppert, der sich vor 29 Jahren bei einer Bluttransfusion mit Hepatitis C infiziert hat, hat sich bereit erklärt, eine Behandlung bei einem "Geistheiler" auszuprobieren. Leppert hat häufig starke Schmerzen, aus schulmedizinischer Sicht gilt er als austherapiert. Der 67-Jährige ist skeptisch, er glaubt nicht, dass er durch Geistheilung gesund wird.
Zwischen Skepsis und Hoffnung
Die beiden testen für ZDF.reporter die Methode COBIMAX Kommunikations-Biologische Matrix. Entwickelt hat sie Bernd Laudenbach vor gut elf Jahren. Das Patent folgte wenig später. In seinem Haus in Sinntal-Altengronau in Hessen hat der 50-Jährige sich eine Praxis eingerichtet. Ein Blick in seinen Terminplan verrät: Das Geschäft läuft gut. Nach eigenen Angaben behandelt Bernd Laudenbach bis zu sechs Patienten täglich - eine Stunde kostet 60 Euro.
Während der Behandlung bekommen Günter Leppert und Carola Regentrop Zettelchen mit Zeichen, die sie unter ihren Ärmel stecken sollen. Ziel sei, so Bernd Laudenbach, das Kleinhirn des Patienten zu stimulieren, den Körper zu heilen. Der Geistheiler selbst greift nicht ein. "Ich bin nicht heilerisch tätig, sondern der Patient heilt sich selbst", erklärt Laudenbach.
"90 Prozent werden gesund"
Seine Therapie sei erfolgreich, behauptet er. Bis zu 90 Prozent seiner Patienten würden seine Praxis gesund verlassen, so der 50-jährige Familienvater. Ein Heilversprechen gibt Bernd Laudenbach jedoch nie ab. Das erlaubt das Gesetz nicht.
Für unseren Test haben wir Patienten zu Bernd Laudenbach geschickt, deren Krankheiten schulmedizinisch klar überprüfbar sind. Bei Carola Regentrop haben wir vor und nach der Behandlung eine 24-Stunden-Blutdruckmessung durchführen lassen. Bei dem an Hepatitis C erkrankten Günter Leppert ließen wir vor und nach der Geistheilung einen Bluttest machen, der die Anzahl der Hepatitis C-Viren in seinem Blut bestimmt.
Keine Verbesserungen
Das Ergebnis unseres Tests: Der Bluthochdruck bei Carola Regentrop sank nach der Behandlung durch den Geistheiler nicht signifikant. Auf Nachfrage meint Bernd Laudenbach dazu: "Ich denke, da habe ich mir zu wenig Zeit genommen, ich hätte länger überprüfen müssen, wo die Probleme bei der Patientin liegen. Das war jetzt für mich der berühmte Vorführeffekt."
Auch die Zahl der Hepatitis-Viren im Blut von Günter Leppert nahm nicht ab. Dazu meint Laudenbach: Das Problem habe hauptsächlich darin gelegen, dass Günter Leppert mit starken Schmerzmitteln behandelt worden sei - und das habe die normale Funktion von bestimmten Zellbestandteilen verhindert, die für eine Heilung nötig gewesen wären.
"Zynische Geschäftemacher"
Dass Geistheilung funktionieren kann, bezweifelt Colin Goldner vom Münchner Forum Kritische Psychologie. Für ihn sind Geistheiler "zynische Geschäftemacher mit der seelischen Not anderer". "Eine Wirkung von Geistheilerei, die über den Placebo-Effekt hinausgeht, gibt es nicht", sagt er.
ZITAT
„Zynische Geschäftemacher mit der seelischen Not anderer"
Colin Goldner vom Münchner Forum Kritische Psychologie
Goldner unterscheidet dabei zwei Kategorien von Anbietern: "Die einen sind tatsächlich überzeugt von ihren vermeintlichen Fähigkeiten, weil sie beobachtbare Phänomene wie Spontanheilungen oder zyklische Besserungen ihrer geistheilerischen Bemühung zuschreiben und Misserfolge einfach ausblenden. Die anderen wissen, dass sie keinerlei geistheilerischen Fähigkeiten besitzen oder dass es solche überhaupt nicht gibt und dass sie ihrer Kundschaft nichts als Humbug verkaufen."
Fernheilungen sind umsonst Dennoch scheint der Bedarf an Geistheilern in Deutschland groß zu sein: Expertenschätzungen zufolge praktizieren bundesweit rund 10.000 Geistheiler. Der 1995 gegründete Dachverband Geistiges Heilen (DGH) in Heidelberg zählt über 4500 Mitglieder.
Tannetje König, die Vorsitzende des Dachverbandes, nennt als Ziel des Vereins, "Geistiges Heilen seriös zu halten." Deswegen habe er auch seinen Mitgliedern einen strengen Verhaltenskodex auferlegt. "Eine Sitzung darf nicht mehr als 80 Euro kosten und Fernheilungen, also über das Telefon, müssen umsonst sein", erklärt Tannetje König.
Der von uns getestete Geistheiler Bernd Laudenbach ist übrigens kein Mitglied. Heilsversprechen sind verboten
Bis vor fünf Jahren war Geistheilung illegal, nur Ärzte und Heilpraktiker durften therapieren. Das änderte sich, als am 2. März 2004 der Bundesgerichtshof entschied, dass fortan jeder den Hilfesuchenden die "Hände auflegen" darf. Heilsversprechen sind allerdings weiterhin untersagt.
In Seminaren können Privatleute, Arzte und Heilpraktiker die unterschiedlichsten Qualifikationen erwerben - etwa das Zertifikat "Anerkannter Heiler des DGH". Auch Bernd Laudenbach bietet fünftägige COBIMAX-Seminare an. Die Kosten: bis zu 11.750 Euro. Am Ende gibt es ein Zertifikat, eine Prüfung muss nicht abgelegt werden.
Quelle und Infobox:
Das Geschäft mit der Hoffnung
Reportage von Annegret Oster
Kamera: Andreas Buhrow, Joachim Giel, Jochen Hülsenbeck, Alexander Thorbecke
Schnitt: Sylvia Lauer
Sendetermin: Donnerstag, 8. Oktober 2009, 21 Uhr, bei ZDF.reporter
Zuletzt bearbeitet von Eberhard am 10.10.2009, 09:26, insgesamt einmal bearbeitet |
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